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Wenn das Eisen in der Kohle glüht
Wenn Sieghard Kretzer den Besuchern zur Saisoneröffnung die Maschinen erklärt, an denen er selbst sein ganzes Berufsleben stand, spüren sie die ungebrochene Begeisterung, die er für „seinen“ Unteren Eisenhammer hegt.
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Exten. Exten (az). Nachdem er vor einigen Jahren in den Ruhestand ging, hätte er die Maschinen auch verkaufen können. Doch viel lieber erklärt er den Besuchern heute, wie er über Jahre hinweg an diesen Originalen Sensen, Spaten und Schaufeln herstellte.
Am Sonntag öffnete der Heimatverein Exten nach der Winterpause dafür wieder das Museum bis in den Herbst hinein jeden ersten und dritten Sonntag im Monat von 10 bis 12 Uhr. Zur Vorführung der hohen Kunst des Schmiedens formen die Mitglieder das heiße Eisen auch mal probeweise. So gekonnt wie der Chef kann es dann aber doch (noch) keiner.
„Wir haben sehr oft Schülergruppen als Besucher und öffnen nach Anmeldung durchaus auch außerhalb der üblichen Öffnungszeiten“, sagte der Vorsitzende des Heimatvereins Exten, Horst Vöge.
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Mitglieder des Heimatvereins Exten zeigen im Unteren Eisenhammer, wie man schmiedet. Da schaut auch der Vorsitzende Horst Vöge (hinten) immer wieder gern zu.
© az
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© Schaumburger Zeitung, 16.04.2012


Kindheit in der Korbmacherbude
Exten/Minden (pk). „Das kann doch nicht alles gewesen sein“, sagte sich Renate Gerda Maschmeier, als sie 2009 zunächst in Altersteilzeit und ein Jahr später in Rente ging. „Wenn man immer mit Leuten zu tun hatte, und das plötzlich nicht mehr da ist, dann fehlt plötzlich was.“ Also fing sie an, zu schreiben. Zunächst tauchte die gelernte Apothekerhelferin, die zuletzt lange als Verwaltungsangestellte arbeitete, vor allem ein in die Vergangenheit ihrer Eltern, die aus Ostpreußen stammen. Sie schrieb die Erzählungen ihrer Eltern, die sie noch in Erinnerung hatte, auf. Daran schlossen sich bald die Erinnerungen eigener Erlebnisse an, die sich vor allem in Rinteln, genau genommen in Exten abspielten. Am Ende ist dabei ein 316 Seiten starkes Buch herausgekommen, das seit letzter Woche im Handel erhältlich ist. Renate Gerda Maschmeier mit ihrem ersten Buch „Weidenkäpsel – Eine aufregende Kindheit zwischen Plumpsklo, Rübenzapp und Korbmacherbude“. „Weidenkäpsel – Eine aufregende Kindheit zwischen Plumpsklo, Rübenzapp und Korbmacherbude“ lautet der Titel. Rübenzapp? „Rübenzapp ist Rübensaft, ein Sirup, den meine Eltern früher selbst machten“, erläutert die gebürtige Rintelnerin Maschmeier. Und Weidenkäpsel? Die Aufnahme von 1955, die den Umschlag ziert, zeigt die achtjährige Renate mit ihrem Vater, der gerade Weidenkäpsel anfertigt. „Das sind geflochtene Kappen für Glasflaschen“, erklärt Maschmeier. Ihr Vater, Richard Krenz, verdiente damit in einer Korbmacherbude in Exten ihren Lebensunterhalt. Nachdem er im Krieg ein Bein verlor, konnte er nicht mehr wie in Ostpreußen als Bauer oder Postangestellter tätig sein. Aus Ostpreußen wurden die Eltern vertrieben, und obwohl Vertriebene „hier nicht gerne gesehen waren“, kann sich Maschmeier nicht daran erinnern, deshalb jemals Probleme bekommen zu haben. „Ich hatte eine wunderschöne Kindheit“, stellt sie fest. Und diese wunderschöne Kindheit will sie nun mit den Lesern teilen: Erinnerungen an den Schifferklavier spielenden Vater, an die Mutter, die die Kirche putzt und gemeinsam mit ihrem Mann als Küster die Glocken der Extener Kirche läutet, an die Arbeit der Korbmacher, ans Rübenziehen, Kartoffelernten und Süßmosterei und vieles mehr. Dabei hatte sie bis dahin nie bewusst Ambitionen, zu schreiben. Aber rückblickend fällt ihr auf, dass sie immer diejenige war, die im Auftrag ihrer Familie die Briefe an Verwandte und Freunde schreiben musste. Bei einem Besuch in der Heimatstube in Exten holte sie durch all die dort ausgestellten und ihr so vertrauten alten Gegenstände ihre Vergangenheit ein. Mit Horst Vöge vom Heimatverein tauschte sie sich darüber aus, bis dieser scherzhaft gesagt habe: „Wenn Sie daraus mal ein Buch machen, dann möchte ich aber auch ein Exemplar!“ Dieser Gedanke ließ sie nicht mehr los. Die positiven Reaktionen auf ihre Weihnachtsgeschichte, die sie Weihnachten vor einem Jahr bei der Schaumburger Zeitung veröffentlichte, bestärkten sie darüber hinaus darin, weiterzuschreiben. Sie schrieb und schrieb und nahm irgendwann erneut Kontakt mit Horst Vöge auf, der sie mit Bernd Kirchhoff bekannt machte. „Er hat dann alles Weitere in die Wege geleitet“, sagt Maschmeier. Das Buch endet mit der „letzten Reise“ ihres Vaters, die ihn nach Wismar führte, wo er häufig seinen Bruder besucht habe und 1983 starb. Begraben wurde er jedoch in Exten, was zu bewerkstelligen, „ein großes Theater“ gewesen sei. Dass ihr Buch damit endet, mache deutlich, wie eng die Bindung zu ihrem geliebten Vater gewesen sei. Zumal sie einige Jahre später aus Exten nach Minden zog. Informationen: Für das nächste Jahr soll Renate Gerda Maschmeier öffentlich aus ihrem Buch vorlesen. „Weidenkäpsel – Eine aufregende Kindheit zwischen Plumpsklo, Rübenzapp und Korbmacherbude“ ist in der Buchhandlung Sedlmair, beim Stadtmarketingverein Pro Rinteln und an der Raiffeisen Tankstelle in Krankenhagen zum Preis von 14,85 Euro erhältlich.
© Schaumburger Zeitung, 28.12.2011
Oberer Eisenhammer bald vorzeigbar
Vier Monate nach Ausschreibung: Arbeiten an alter Mühle in vollem Gang
Die Arbeiten am Oberen Eisenhammer sind in vollem Gang, stehen bald sogar schon vor einer Pause. Wie Horst Vöge, Vorsitzender des Extener Heimatvereins berichtet, seien die ehrenamtlichen Aktiven sowie beauftragte Handwerksfirmen derzeit „fleißig am Sanieren". Im Zuge einer finanziellen Förderung durch Leader-Gelder der EU in Höhe von rund 120.000 Euro soll die alte Mühle [Hammer] in Exten bald auch für Publikum zugänglich sein. Bis dahin, so Vöge, dauere es allerdings noch ein bisschen. Zwar ist die Teichmauer auf dem Gelände instandgesetzt, Garagenanbauten abgerissen, das Fachwerk am Giebel des Oberen Eisenhammers erneuert, der Bereich zur Turbine abgestützt und Dachüberstände errichtet worden, allerdings müssten einige Arbeiten am Gebäude möglicherwiese ins Frühjahr verschoben werden. „Eigentlich haben wir schon viel Glück mit dem Wetter gehabt", sagt Horst Vöge über den erreichten Stand der Dinge. Nach der Ausschreibung der Handwerksarbeiten im vergangenen Juli haben laut Vöge die Firma Zimmermann aus Goldbeck die Zimmerarbeiten, der Baubetrieb Kiltsch aus Apelern Maurer-, Beton- und Erdarbeiten übernommen. Warum eine zwangsweise Winterpause anstehen könnte, begründet der Vorsitzende des Extener Heimatvereins so: „Die Fachwerkfelder sind mit Lehm gefüllt, einige müssen komplett erneuert werden, aber solange Frost herrscht, können wir nichts machen." Dennoch rechnet der Heimatverein damit, dass ein Großteil der Instandsetzungsarbeiten noch in diesem Jahr abgeschlossen werden können. „Dann stehen im nächsten Jahr nur noch Feinarbeiten an", sagt Vöge. Während der Sanierung haben Vöge und seine Mitstreiter einige Fundstücke gefunen, die nach Fertigstellung des rund 300 Jahre allen Gebäudes dort ausgestellt werden sollen. Das Nutzungskonzept des Heimatvereins sieht unter anderem vor, in dem Wasserradschacht am Oberen Eisenhammer wieder ein Wasserrad zu installieren, das über einen Generator Energie ins Stromnetz einspeisen kann. „Damit könnten wir die Unterhaltung des Gebäudes mitfinanzieren", hofft Horst Vöge. In Zukunft solle auch wieder das Schmieden mit Wasserkraft an der alten Mühle möglich sein. „Dann können wir die ursprüngliche Technik von vor 300 Jahren präsentieren", so der Vorsitzende des Heimatvereins.
© Schaumburger Zeitung, 16.11.2011
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