Kochsche Mühle

Foto: Fotoprojekt Rinteln3fünfundsechszig

 

Die Extener Stiftsmühle war eine der ältesten Wassermühlen der ehem. Grafschaft Schaumburg. Einst gehörte sie dem Stift in Möllenbeck. Seit alter Zeit hatte das Stift sämtliche Mühlenrechte am Unterlauf der Exter. Diese Mühlenprivilegien wurden dem Stift wiederholt von den Grafen von Schaumburg und den Edelherren von Sternberg und zur Lippe bestätigt. 1477 wurden zum Beispiel anlässlich des Mühlenverkaufes der von Eckersten an das Möllenbecker Kloster die Mühlenprivilegien Möllenbecks in 3 Urkunden von den Grafen Erich und Anton von Schaumburg und dem Edelherrn Bernd zur Lippe erneuert. Möllenbeck besaß schon sehr früh in Exten zwei Mühlen, die Ellermühle, wenig oberhalb der heutigen Mühle am Ellerkamp gelegen, und die Rote Mühle, eine von einem Göpelwerk getriebene Roßmühle. 1326 kaufte das Kloster in Möllenbeck von den Brüdern Conrad, Arnold, Gerhard und Bodo von Winningenhausen eine völlig lastenfreie Mühle zu Exten mit dazugehörigem Land und dem Ellerbruch. Graf Johann von Wunstorf bestätigte diesen Hof als Lehnsherr und verlieh dem Kloster das Eigentumsrecht. Es handelte sich um die Ellermühle. 1386 verlieh dann das Kloster Möllenbeck Herrn Johann von Rottorp, Domdekan zu Minden, für besondere Dienste u.a. "de rossemolenstede to Eckersten myt den ackere de dar to horet." Damit war die Rossmühle, die in alten Akten (ab 1614) auch als "rode mole" bezeichnet wird, gemeint. Diese Rote Mühle hat oberhalb der Ellermühle am Berghang gegenüber dem Kehl gelegen. Das Gelände dieser Mühle wird heute "Rote Mühle" genannt.

ExtenBeide Mühlen waren zwischen 1400 und 1500 verfallen. Da das von den meisten Insassen verlassene Stift Möllenbeck nicht mehr in der Lage war, sie wieder aufzubauen, errichteten die von Eckersten gemeinsam mit der Stadt Rinteln auf einem günstigen Platz nahe am Dorf eine neue Mühle. Hierbei handelt es sich um das heutige Gebäude der Mühle in der Strasse „im Obernfeld“. Dieser Bauplatz gehörte jedoch zu den Besitzungen des Stiftes Möllenbeck in Exten. Als im Jahr 1444 das Stift den Augustiner-Chorherren aus Böddecken übertragen wurde, machten diese ihre alten Rechte wieder geltend. Um 1450 schickten sie an die von Eckersten die schon im Artikel "Rittergut" erwähnte Beschwerdeschrift, in der sie auch die Extener Mühle zurückfordern. Demnach muss der heutige Bau der Mühle aus den Jahren 1400 bis 1450 stammen. Die von Eckersten, die inzwischen Alleinbesitzer der Mühle geworden waren, mussten schließlich nach langem Streit 1477 die Mühle, deren Graben der alten Klostermühle das Wasser entzogen hatte, an Möllenbeck abtreten.

In Möllenbecks Besitz blieb die Mühle aber auch nicht allzu lange; denn während der Reformation musste das Stift sie als Preis für seinen Fortbestand dem Grafen Otto IV. abtreten. Das war im Jahr 1560. Seitdem wurde sie gemeinsam mit dem Besitz des säkularisierten St. Jakobsklosters in Rinteln verwaltet und 1621 bei der Gründung der Universität Rinteln durch den Grafen Ernst II. von Schaumburg zu deren Unterhalt bestimmt.

Bis 1817 wurde dann die Mühle an "Mühlenbeständer" verpachtet und schließlich in Erbpacht der Familie Bunte gegeben. ExtenDer Pächter hatte für die Mahlmühle jährlich 630 Reichstaler zu zahlen und für die 1720 eingerichtete Schneidemühle jährlich 60 Reichstaler. Diese hohe Summe wird einem jedoch erst verständlich, wenn man die überlieferten Erzählungen von dem Prunk der Müller anhört. Eine Sage erzählt, dass um 1800 bei der Hochzeit des jungen Müllers Bunte der Weg von der Mühle bis zur Kirche mit Tuch ausgelegt war. Die Braut, so erzählt uns die Sage, soll eine Tochter des Müllers aus der Schlingmühle bei der Arensburg gewesen sein, war aber in Wirklichkeit ein vertauschtes Kind des damaligen  Grafen von Schaumburg-Lippe. Dieser Graf hatte nämlich schon mehrere Töchter, aber noch keinen Sohn. Als er mit seiner Frau auf der Arensburg residierte, gebar sie ihm wieder ein Töchterlein. In derselben Stunde schenkte die Frau des Müllers in der nahe gelegenen Schlingmühle einem Jungen das Leben. Als die verzweifelte Gräfin davon erfuhr, ließ sie heimlich mit Einverständnis des Müllers die beiden Kinder vertauschen. Der Sohn des Müllers wurde später Graf, während die wirkliche Tochter des Grafen dann den jungen Müller Arnold Bunte aus Exten heiratete. Man hatte ihr jedoch eine reiche Mitgift gegeben.

Die Extener Mühle war zu jener Zeit eine so genannte Bannmühle. Die Einwohner der Dörfer Exten, Saarbeck, Strücken, Hohenrode und Wennenkamp mussten dort ihr Brotgetreide mahlen lassen. Hieraus ließ sich auch der Reichtum der damaligen Müller erklären.

Exten1853 ging die Mühle gegen Zahlung einer hohen Abfindungssumme in das freie Eigentum des Erbpächters über. Extener Einwohner kennen die Mühle unter dem Namen „Koch’sche Mühle“. Die Mühle blieb bis in die 1950er Jahre in Betrieb; heute ist ihr Mühlengraben zugeschüttet und sie dient zu reinen Wohnzwecken. Die letzten Mühlsteine sind an das Gebäude gelehnt.

Eine Begebenheit aus dem 16. Jahrhundert: Im Jahre 1566 erschlug der damalige Müller den Möllenbecker Stiftsprokurator Arnold Ostendorf in der Mühle mit einer Axt. Der Totschläger wurde auf seiner Flucht in der Grafschaft Ravensberg ergriffen und gerädert.

Die Exter hatte immer genügend Wasser, die Mühle in Exten zu treiben. Eine schaumburgische Chronik meldet, dass im Jahre 1512 nach einer großen Dürre von Mai bis Oktober ein kalter Winter einsetzte. Nur die Mühle in Exten konnte als einzige in der ganzen Grafschaft noch mahlen, da die Exter noch nicht versiegt war.

ExtenDas Hauptgebäude der alten Mühle, ein spitzgiebliger massiver Bau von beträchtlicher Größe, stammt seinem Charakter nach aus der Gründungszeit der zweiten Stiftsmühle. Er wurde wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts errichtet und ist heute eines der ältesten profanen Bauwerke unseres Kreises.


Nach Gerhard Thon 1956

 

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