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ImageDer Hof, auf dem noch als Wohnhaus das alte, 1618 von Simon Philipp von Wartensleben erbaute Herrenhaus steht, hat eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich. Im Mittelalter gehörte er wahrscheinlich dem Kloster Abdinghof zu Paderborn, das ihn an die Edelherren von Sternberg verlehnt hatte.

Von diesen kam er als sog "Afterlehen" an die Herren von Eckersten; denn nur um ihn kann es sich bei dem im Lehnsregister erwähnten "Vorwerk to Eckersten der Kerken to Paderborne" gehandelt haben.

Vermutlich im 15. Jahrhundert kauften ihn die von Eckersten zusammen mit einer Hufe Land vor Rinteln käuflich vom Stift Abdinghof und besetzten ihn mit einem Bauer Robrack. Danach hieß der Hof im 16. Jahrhundert "Robracken-Hof". Bei der Erbteilung nach dem Aussterben der von Eckersten gelangte er an die von Ilten, die ihn um 1600 an die von Wartensleben auf dem Edlehof vertauschten. Jobst Simon von Wartensleben (? -1550/oder 1554) war verheiratet mit Magdalena (oder Margarethe) Elisabeth von Ilten.

Es gab wegen der Lasten, die zu bäuerlichen Zeiten auf dem Hof geruht hatten, Streitigkeiten zwischen den von Wartensleben und dem Dorf, doch bewiesen anscheinend die Besitzer, die den Hof nach dem Ableben des letzten Robrack zum Edelhof zugeschlagen hatten, die adlig freie Qualität des Hofgrundstücks. Später forderte sich Simon Philipp von Wartensleben (-1638) den jetzt "Oberer Hof" genannten, damals wüsten Hof ein. Er errichtete 1618 das heute noch stehende, mit Wappentafel geschmückte Haus. Simon Philipp war der Bruder des Rittergutsbesitzers Hermann Simon von Wartensleben.

Von ihm kam der Hof um 1650 an einen Obristleutnant von Nietsche oder Nitzke und dann an den Stallmeister Philipp Sigismund von Friesenhausen, der ihn im Jahr 1700 an Simon Elmerhaus (oder Elmershausen) von Wartensleben verkaufte.

Von 1704 bis 1756 gehörte der Hof der Familie Harenc. Sie war eine bretonische Réfugié - Familie, die im 17. ImageJahrhundert in märkischen Diensten stand. Als Hugenotten mussten Sie Frankreich verlassen. Hugenotten ist die etwa seit 1560 gebräuchliche Bezeichnung für die französischen Protestanten im vorrevolutionären Frankreich. Ihr Glaube war stark von der Lehre Johannes Calvins beeinfluss. Ab 1530 wurde die Glaubensausübung der Protestanten durch den katholischen Klerus und den König stark unterdrückt. Mehrere Kirchen und Klöster wurden durch Protestanten zerstört oder geplündert, so die Kathedrale von Soissons im Jahr 1567 und das Kloster Citeaux 1589. Daraufhin begannen noch stärkere Verfolgungen, die unter Ludwig XIV. ab 1685 einen Höhepunkt erreichten und eine Fluchtwelle von einer Viertelmillion Hugenotten in die umliegenden protestantischen Länder auslösten.

ImageAus ihr stammte der Romanschriftsteller Willibald Alexis (1798-1871), der eigentlich Georg Wilhelm Heinrich Häring hieß und während seiner Studienzeit aus Ulk den Namen "Hering" ins lateinische übersetzte. "Alec" oder "Alex" bezeichnet eine Fischsoße und wurde von ihm einfach für den Hering gesetzt. Er studierte in Berlin und Breslau Jura und arbeitete nach Abschluss des Studiums in Berlin als Referendar am Kammergericht. Seit dieser Zeit schrieb er für das Berliner Conversationsblatt, dessen Redakteur er einige Jahre später wurde. Vorübergehend arbeitete er auch für die Vossische Zeitung. Er gilt als Begründer des historischen Realismus in der deutschen Literatur.

Aus dieser Familie Harenc kam nun 1704 der Amtmann und Accise-Inspector Abraham Harenc nach Exten und erwarb von dem Obristen Elmerhaus Freiherr von Wartensleben den "Oberen sog. Nietschen Hof". Die Accise (lat./frz.) war in der Regel eine städtische Steuer auf Verbrauch bzw. ein Binnenzoll. Acciseeinnehmer waren Steuer-Beamte, die die Accisen direkt am Stadttor erhoben.

ImageIn der Folgezeit führte dieser Hof, der 1811 vom Rittergut durch Tausch zum größeren Teil an den Bauern König Nr.11 und zum kleineren Teil an den Brinksitzer Bünte Nr. 27 kam, den Namen "Harenc'scher Hof" oder einfach "Harrank". So heißt er noch heute. 1756 wurde der Hof wieder Zubehör des Edelhofes; die von Wartensleben brachten hier zeitweise ihre Schäferei unter. Seit dem Tausch von 1811 ist der alte "Obere Hof" im Besitz von Redeker Nr. 11 und Bünte Nr. 27, allerdings durch mehrere Gebäude erweitert.

 
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